Ein lauer Sommerabend, zwei lange weiß gedeckte Tafeln mitten im großen Garten, der Duft frischer Kräuter, italienische Köstlichkeiten und viele fröhliche Gespräche – das Kunst & Dinner im historischen Garten des Hauses der Naturpflege wurde für alle Beteiligten zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Schon beim Ankommen lag eine besondere Stimmung über dem Garten der Naturschutzeule. Die sommerlichen Temperaturen, das warme Licht und die liebevoll gedeckten Tafeln erinnerten an einen Abend in Italien. Was viele Gäste nicht wussten: Genau dieses Bild hatte Geschäftsführerin Katrin Bosse viele Monate zuvor vor Augen.
„Alles beginnt mit einer Vision“, sagte sie zu Beginn ihrer Eröffnungsrede. „Ich hatte dieses Bild einer langen weißen Tafel mitten in unserem Garten vor Augen. Menschen, die sich begegnen, gemeinsam essen, lachen, erzählen und einen Abend miteinander verbringen. Dass wir heute tatsächlich hier zusammen sind, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.“
In ihrer Ansprache erinnerte sie an Erna und Kurt Kretschmann, die Begründer des Hauses der Naturpflege. Mit ihrer Liebe zur Natur schufen sie einen Ort, an dem Umweltbildung, Gemeinschaft und ein achtsamer Umgang mit Mensch und Natur bis heute gelebt werden.
„Schon damals kamen Schulklassen und Erwachsene hierher, um den Kreislauf der Natur kennenzulernen. Genau diese Idee führen wir heute weiter – indem wir Natur nicht nur erklären, sondern sie gemeinsam erleben.“
So begann der Abend mit einem Rundgang durch den großen historischen Garten. Wildkräuterpädagogin und Kunsttherapeutin Sandy Jäger-Röllig führte die Gäste zu heimischen Kräutern und Sonnenpflanzen und machte die Vielfalt des Gartens mit allen Sinnen erlebbar. Viele der entdeckten Kräuter fanden sich später überraschend und raffiniert im italienischen Drei-Gänge-Menü wieder.
Dieses hatten Fabio Fioresi und Sandy Jäger-Röllig gemeinsam entwickelt. Während Fabio mit viel Leidenschaft und authentischer italienischer Kochkunst den kulinarischen Teil gestaltete, brachte Sandy ihr umfangreiches Wissen über Wildkräuter und Pflanzen ein. So entstand ein Menü, das Natur, Kreativität und italienische Lebensfreude auf besondere Weise miteinander verband.
Auch die Kunst spielte an diesem Abend eine besondere Rolle. Während des Rundgangs durch den historischen Garten begegneten die Gäste den berührenden Kunstwerken von Sandy Jäger-Röllig. Zwischen alten Bäumen, Wiesen und Gartenwegen fügten sich ihre Werke harmonisch in die Natur ein und luden dazu ein, innezuhalten, genauer hinzusehen und die Verbindung von Mensch und Natur auf eine ganz eigene Weise zu entdecken.
An den festlich gedeckten Tafeln erwartete die Gäste eine weitere künstlerische Begegnung. Fabio Fioresi präsentierte dort ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Fotografien aus seiner Kindheit und seiner Familie in Italien. Die Bilder erzählten persönliche Geschichten, weckten Erinnerungen und wurden schnell zum Gesprächsanlass. Sie verbanden die Gäste miteinander und eröffneten einen lebendigen Austausch über Familie, Heimat, Kindheit und die italienische Lebensart.
„Kunst und gutes Essen haben eines gemeinsam: Sie erzählen Geschichten und bringen Menschen miteinander ins Gespräch. Genau das wollten wir an diesem Abend ermöglichen“, sagte Katrin Bosse.
Für Fabio Fioresi war es bereits das zweite gemeinsame Projekt mit dem Haus der Naturpflege. Nachdem sich das Haus bereits im vergangenen Jahr zur Versteigerung der Eulenkunstwerke in eine kleine Cucina italiana verwandelt hatte, entstand daraus der Wunsch nach einem ganzen italienischen Abend – und dieser Wunsch wurde nun Wirklichkeit.
Für Sandy Jäger-Röllig hingegen gehört das Haus der Naturpflege inzwischen längst zu ihrem Alltag – und sie selbst ist aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Seit zwei Jahren ist sie als Umweltbildnerin im Haus der Naturpflege tätig und begleitet Kinder, Schulklassen und Erwachsene dabei, die Natur mit allen Sinnen zu entdecken. Mit ihrer Ausbildung als Sozialpädagogin, Wildkräuterpädagogin und Kunsttherapeutin verbindet sie auf besondere Weise Naturwissen, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung. Sie bringt Menschen die Pflanzenwelt näher, öffnet den Blick für die kleinen Wunder der Natur und schafft Räume, in denen Kreativität entstehen darf. Damit ist sie eine wunderbare Bereicherung und eine perfekte Verbindung zur Idee der Naturpflege, wie sie Erna und Kurt Kretschmann einst begründet haben.
Ein besonderer Moment der Eröffnungsrede war die sehr persönliche Geschichte von Katrin Bosse. Sie erzählte von ihrer Pilgerreise auf alten Wegen, die sie bis nach Italien führte, wo sie drei Jahre lang ein franziskanisches Leben führte. Dort lebte sie in enger Verbundenheit mit der Natur. In dieser Zeit wurde ihre bereits tiefe Beziehung zur Natur noch einmal auf ganz besondere Weise vertieft.
„Damals hätte ich nie gedacht, dass ich Italien einmal wieder verlassen würde. Als ich zurückkehrte, war ich zunächst traurig. Kurz darauf wurde ich gefragt, ob ich die Geschäftsführung des Hauses der Naturpflege übernehmen möchte. Ich bekam Gänsehaut – mein Zeichen dafür, dass etwas stimmig ist. Heute kann ich sagen: Alles, was mich in meinem Leben begleitet hat, findet sich hier wieder. Und dass ich nun gemeinsam mit einem Italiener einen italienischen Abend an diesem Ort gestalten darf, schließt für mich einen ganz besonderen Kreis.“
Besonders bewegend wurde es, als Katrin Bosse über die Symbolik der beiden langen weißen Tafeln sprach.
„Diese Tafeln sind für mich weit mehr als eine schöne Dekoration. Sie stehen für Gemeinschaft. Für Offenheit. Für Begegnung. Gerade in einer Zeit, die viele von uns bewegt, wünsche ich mir, dass Menschen wieder häufiger miteinander an einem Tisch sitzen. Denn Frieden beginnt nicht irgendwo auf der Welt. Frieden beginnt immer bei uns selbst – mit einer Einladung, einem offenen Herzen und einem gemeinsamen Essen.“
Dabei erinnerte sie auch an Erna und Kurt Kretschmann, die überzeugte Pazifisten waren und deren Haltung den Geist dieses Ortes bis heute prägt.
Zum Abschluss richtete sie einen Wunsch an alle Gäste, der viele berührte.
„Nehmt diese Idee mit nach Hause. Stellt selbst einmal eine lange weiße Tafel auf – in euren Garten, vor euer Haus, auf den Dorfplatz oder in eure Straße. Ladet eure Nachbarn ein. Auch die, die ihr vielleicht noch gar nicht richtig kennt. Vielleicht stellt ihr dabei fest, dass aus Fremden Bekannte werden, aus Bekannten Freunde – und dass der Nachbar, über den man sich vielleicht schon oft geärgert hat, gar nicht so ‘doof’ ist, wie man immer dachte. Gemeinschaft beginnt mit einer Einladung.“
Bis weit in den Abend hinein wurde gegessen, gelacht und erzählt. Zwischen Kräutern, italienischen Aromen und warmem Sommerlicht entstanden Begegnungen, neue Bekanntschaften und viele inspirierende Gespräche – genau das, was sich die Organisatoren erhofft hatten. Die Gäste blieben noch lange an den weiß gedeckten Tafeln sitzen und genossen die besondere Atmosphäre dieses Sommerabends.
Das Haus der Naturpflege bedankt sich herzlich bei Fabio Fioresi, Sandy Jäger-Röllig, dem gesamten Team sowie allen Helferinnen und Helfern und natürlich bei allen Gästen, die diesen besonderen Abend mit Leben gefüllt haben.
Aus einer Vision wurde Wirklichkeit.
Und vielleicht entstehen aus vielen langen weißen Tafeln, die künftig an anderen Orten gedeckt werden, noch viele weitere Abende voller Begegnung, Genuss und Frieden.
Nach diesem gelungenen Auftakt steht eines schon jetzt fest: Das Kunst & Dinner soll kein einmaliges Erlebnis bleiben. Die Vorfreude auf eine Fortsetzung ist groß. Das Haus der Naturpflege freut sich schon heute darauf, auch im kommenden Jahr wieder Menschen an einer langen weißen Tafel zusammenzubringen – für einen Sommerabend voller Natur, Genuss, Kunst und Gemeinschaft.



